Glück

Oben schnurgerade braune Furchen
Im Tal dünner Nebel
Klaus Hoffmann auf den Ohren
T-Shirt und Rad
Frühling auf dem Land

Ich könnte heulen vor Glück

Hart

Wenn der Matsch nicht mehr matscht
Und die Milchstraße wieder zu sehen ist
Und übers Meer Boltenhagen.

Wenn die Schritte auf dem Boden klingen wie auf dem Dachboden.

Die Mondlandschaft glitzert
Ehemaliges Laub bricht
Alles ist hart.

Zumindest für zwei Tage
Länger ist hier ja kein Winter.

Nach dem Regen

Ein strahlender Himmel
Wer hätte das gedacht.

Wie geharkt liegt das Feld
Braun und satt und dampfend
Von hier
Bis an den Horizont.

Nicht eine einzige Wolke
Weder weiß noch grau
Nachdem es gestern regnete.

Aber wer hat das Feld geharkt?
Schnurgerade
Bis an den Horizont.

Erde

Klaus hat gepflügt
Ruft sie aufgeregt
Der Ostwind trägt den schweren Duft
Zu ihr

Sie kann nicht stillsitzen
Hebt den Kopf
Sieht die nasse Erde vor sich
Ganz nah

Sie wartet auf die Dunkelheit
Zieht sich aus
Läuft mit nackten Füßen
Nur über ihre Wiese

Versinkt in der Erde
Bis zu den Knien
Greift tief hinein
Spürt sie
Riecht sie
Schmeckt sie
Fühlt sie
Die Fruchtbarkeit

Sie ist die Erdkönigin
Erdgöttin
Erdkriegerin
Demeter

Stern

Du
Drehst dich noch mal um
Nur entfernt
Hörst du Sirenen und den Bus.

Den Morgenstern
Der im Osten funkelt
Dem Nebel und Dunst
Nichts anhaben können
Hast du noch nie gesehen.

Wenn die Wärme der Tiere dampft
Wenn es so still ist
Dass ich den Tau höre
Und die Schritte der Katzen im hohen Gras.

Du
Schläfst noch
Im Lärm der Stadt
Bevor du auf die Straße trittst
Wenn es schon lange hell ist.

Und wir einander bedauern.

Gülle

es riecht
schon von weitem
sehr.
das sind diese tage
wenn am horizont zwei lichter blinken.
das brummen dort
es sieht aus wie keine bewegung
und bewegt sich.
wo die stadt ausfranst
ist der beißende geruch schon da
und wird mit jedem meter intensiver.
nach tagen des regens
wünscht du ihn dir zurück
denn dann können sie nicht fahren.
so aber in der nacht
die ganze nacht
die einzigen trockenen tage nutzend
fahren sie
fahren sie
vom horizont über das feld
bis hierher
und es riecht nach neuem leben
und nach arbeit
und nach kuh
und nach erde
und nach lehm
oder sand
diese eine woche.

Stille

Nichts.
Nichts ist zu hören.
So hört sich das an.
Der Wind ist so laut,
Dass es still unter ihm ist.

Die Äste der Eichen
Schlagen mir ins Gesicht.
Sonst sind sie immer weit über unseren Köpfen.

Der Wind kommt über das nackte Feld gefahren.
Von dahinten, von Westen.
Weiter hinten, wo hinter dem Hügel die Bäume stehen.
Aber auf dem Hügel ist nichts.
Nur der Wind.
Der so laut ist,
Dass es still unter ihm ist.

Ich rufe.
Aber mein Mund bleibt still.
Nichts ist zu hören.
Der Wind ist so laut,
Dass es still unter ihm ist.

Es muss wohl Herbst sein.

Nacht

Blutrot
Hängt er
Der exakt halbe Mond
Über der Straße
Schnurgerade
Vor mir.

Zieht mich
Holt mich
Und ich rase auf ihn zu.

Die Landstraße nach Lübeck.
Eine gerade Schnur
Zieht sich durch die Felder.
Eine tiefe Stille
Liegt über der Weide.
Eine vage Silhouette
Verschwimmt am Ende der Straße.

Dann die Kurve
Nach Osten
Zum Meer
Aber ich fahre weiter
Geradeaus
Hebe ab
Verschwinde im Mond.

Stille
Und Staunen.

 

 

Bis die Sirene die Nacht zerreißt.